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Vom Tauschhandel zum Internet-Shop - Reuffel 1945 bis 2015

Die Gründung
Im Sommer 1945 lag Koblenz in Schutt und Asche, die Stadt war von den Alliierten fast vollständig zerstört worden. Firmengründungen bedurften der Zustimmung der Militärverwaltung, Firmengründer wurden sorgsam überprüft und entsprechend begehrt waren die wenigen Lizenzen. Die 34jährige Buchhändlerin Anita Reuffel erhielt eine solche Genehmigung und machte sich mit der „Buchhandlung Anita Reuffel“ selbständig.
Mangels Räumlichkeiten verlegte sie den Firmensitz kurzerhand in die elterliche Wohnung in der Koblenzer Römerstraße. Wenig später, nach der Heirat mit dem Buchhändler Hans Duchstein, zog das Paar mit seinem Geschäft in die Löhrstraße.

In den Gründungsjahren fand ein reger Tauschhandel statt: Bücher gegen Naturalien wie Brot, Milch und andere Dinge des täglichen Bedarfs. Es war die Zeit des „Hamsterns“, in der die Firmengründer mit einem Leiterwagen durch die angrenzenden Moseldörfer zogen, um Gebet- und Gesangbücher gegen Wein einzutauschen, der, zurück im heimischen Koblenz, dann wiederum ein ausgezeichnetes Tauschmittel für andere Güter darstellte. Allmählich aber besserte sich die Lage, die Konjunktur zog an, mit der D-Mark gab es eine neue Währung und nach 12 Jahren Diktatur begann auch die Buchproduktion, wieder vielfältiger zu werden. Inzwischen waren die Wirtschaftswunderjahre angebrochen, neue Verlage entstanden und Reuffel hatte sich einen festen Platz in der Koblenzer Buchhandelslandschaft erobert. Spätestens 1969 war der Firmenname allen Koblenzern bekannt, als mit Herzogin Viktoria Luise die Tochter des letzten Deutschen Kaisers ihre Memoiren in der Löhrstraße signierte.

Expansion mit Augenmaß
1971 tritt mit Eberhard Duchstein der Sohn des Gründerpaars in das Unternehmen ein. Drei Jahre später setzt er mit der Eröffnung einer Niederlassung in Montabaur einen ersten Akzent in Richtung Wachstum. Bald darauf können seine Eltern sich in den wohlverdienten Ruhestand zurückziehen.
Ende der 70er Jahre beginnt Ruth A. Duchstein, die heutige Mitinhaberin, ihre Ausbildung in der Buchhandlung. Das junge Paar arbeitet Hand in Hand und führt die Buchhandlung so erfolgreich, dass 1988 ein weiteres Geschäft in Mayen und 1996 eine Buchhandlung am Altlöhrtor - in bester Koblenz Lauflage - eröffnet werden kann.
Seit 1998 werden Bestellungen und Anfragen von Buchliebhabern aus der ganzen Region von einer eigenen Telefonzentrale beantwortet. Damit kommen die Anrufer schnell zum gewünschten Ziel, umgekehrt werden Beratungs-gespräche in den Buchhandlungen möglichst nicht durch Telefonanrufe unterbrochen.
Bibliotheken in Hochschule, Wirtschaft und Verwaltung werden von Fachbuchhändlern besucht und durch einen hauseigenen Botendienst beliefert - auch das unterstreicht die Nähe der Reuffel-Buchhändler zu ihren Kunden.

Von der Adressmaschine zum Internet
Ruth und Eberhard Duchstein erkennen früh die Chancen, die sich auch im Buchhandel durch elektronische Datenverarbeitung ergeben. Kunden sollten gezielt über ihre Interessensgebiete informiert werden, Bücher, die erfolgreich verkauft wurden, sollten so zeitig nachgeliefert werden, dass keine Lücken im Regal entstehen, kurzum: die Idee einer Warenwirtschaft war geboren. Bereits 1996 wurde die erste Reuffel-Internetseite eingerichtet, inzwischen ist daraus eine virtuelle Filiale entstanden, die ihre Besucher über alle vorrätigen und bestellbaren Artikel informiert.

Kultur
Schon Anita Reuffel und Hans Duchstein haben ihre Buchhandlung als Teil des Kulturlebens in der Region verstanden, „Reuffel“ als Ort der Begegnung von Autoren und Lesern etabliert. Ruth und Eberhard Duchstein führen diese Tradition bis heute fort. Mehr als 300 Autoren haben im Lauf der Jahre in den Reuffel-Buchhandlungen gelesen, darüber hinaus sind die Inhaber Mitinitiatoren der Koblenzer Literaturtage „ganzOhr“. Kultursponsoring, Unterstützung lokaler Initiativen, Leseförderung schon bei den Kleinsten: die Liste der Aktivitäten ist lang, das kulturelle Engagement vielfältig.
Reuffel hat in 70 Jahren mehr als 400 junge Menschen ausgebildet und sich dabei immer wieder selbst erneuert. Ein jung gebliebenes Unternehmen mit vier lebhaften Geschäften in Koblenz, Montabaur und Mayen sowie einem Internet-Shop, der zum Stöbern rund um die Uhr einlädt. Sicher erscheint, dass auch in Zukunft mit spannenden Ideen gerechnet werden kann.